Louis Armstrong gehört zu den wichtigsten Musikern des 20. Jahrhunderts. Welche Louis Armstrong Biografie lohnt sich? Ich stelle drei Bücher vor, die ich kenne und empfehlen kann.

Wer sich ernsthaft mit Jazz beschäftigt, kommt an Louis Armstrong nicht vorbei. Der Trompeter, Sänger und Entertainer aus New Orleans zählt zu den prägenden Figuren der frühen Jazzgeschichte. In den 1920er-Jahren rückte er die improvisierte Solostimme stärker in den Mittelpunkt und löste den Jazz schrittweise aus der reinen Kollektivimprovisation.
Seine Soli waren dabei formal anders angelegt als spätere Improvisationen im Bebop oder Fusion: meist kürzer, klar strukturiert und melodisch ausgearbeitet. Gerade diese Konzentration auf Motivik, Phrasierung und Timing machte sie stilbildend.
Unter dem Spitznamen „Satchmo“ wurde Armstrong weltweit bekannt. Neben seinem Trompetenspiel trug auch seine unverwechselbare Gesangsstimme zu seinem Erfolg bei. Titel wie „What a Wonderful World“ oder „Hello, Dolly!“ gehören bis heute zu seinen bekanntesten Aufnahmen.
Wer mehr über sein Leben erfahren will, greift am besten zu einer guten Louis Armstrong Biografie. Davon gibt es mehrere auf Deutsch – aber nicht alle sind gleich empfehlenswert. Ich habe im Laufe der Jahre verschiedene gelesen und stelle dir hier drei Bücher vor, die ich persönlich kenne und die ich Jazz-Fans ans Herz legen kann. Darüber hinaus erwähne ich zwei weitere Titel, die ich der Vollständigkeit halber nicht unerwähnt lassen möchte.
Wann wurde Louis Armstrong wirklich geboren?
Bevor ich auf die einzelnen Bücher eingehe, muss eine der berühmtesten Ungereimtheiten der Jazzgeschichte angesprochen werden – denn sie betrifft vor allem ältere Biografien und die Autobiografie direkt.
Louis Armstrong gab zeitlebens den 4. Juli 1900 als sein Geburtsdatum an. Der amerikanische Unabhängigkeitstag, dazu noch im ersten Jahr des neuen Jahrhunderts – das klingt fast zu symbolisch, um wahr zu sein. Und tatsächlich stimmte es nicht. Erst 1983, zwölf Jahre nach Armstrongs Tod, wurde sein Taufschein entdeckt. Daraus geht eindeutig hervor, dass er am 4. August 1901 in New Orleans geboren wurde.
Warum er ein falsches Datum angab, ist bis heute nicht restlos geklärt. Eine verbreitete Erklärung besagt, dass er sich bewusst ein Jahr älter machte, um als Jugendlicher leichter Zutritt zu den Etablissements in Storyville zu bekommen, dem berüchtigten Vergnügungsviertel von New Orleans. Es war zudem in der afroamerikanischen Bevölkerung jener Zeit nicht ungewöhnlich, das eigene Geburtsdatum nicht genau zu kennen oder es nachträglich anzupassen.
Armstrong als Autor – der Musiker mit der Schreibmaschine
Was viele nicht wissen: Louis Armstrong war nicht nur Musiker, sondern auch ein begeisterter Schreiber. Er besaß eine eigene Schreibmaschine, die er sich früh zulegte und auf seinen Reisen stets dabei hatte. Armstrong verfasste im Laufe seines Lebens unzählige Briefe, Notizen und Artikel. Darüber hinaus schrieb er zwei eigene Bücher: „Swing That Music“ (1936), das als eines der ersten von einem Jazzmusiker selbst verfassten Bücher gilt, und die Autobiografie „Satchmo: My Life in New Orleans“ (1954), die ich weiter unten ausführlicher bespreche.
Thomas Brothers, Musikprofessor an der Duke University, gab 1999 unter dem Titel „Louis Armstrong, in His Own Words“ bei Oxford University Press eine Sammlung von Armstrongs Texten aus den Jahren 1922 bis 1970 heraus. Auf Deutsch ist dieses Buch leider nicht erschienen.

Laurence Bergreen – Louis Armstrong: Ein extravagantes Leben
Wenn ich nur eine einzige Louis Armstrong Biografie empfehlen dürfte, wäre es diese. Laurence Bergreens Werk ist für mich seit vielen Jahren das Standardwerk über Satchmo. Ich habe es inzwischen dreimal gelesen, und jedes Mal entdecke ich neue Details.
Das Buch erschien im amerikanischen Original 1997 unter dem Titel „Louis Armstrong: An Extravagant Life“ bei Broadway Books in New York. Die deutsche Übersetzung von Juliane Zaubitzer wurde im Jahr 2000 beim Haffmans Verlag in der Reihe arte edition veröffentlicht und umfasst 638 Seiten. Neben dem biografischen Text enthält das Buch einen umfangreichen Anhang mit Quellenangaben, einer ausführlichen Diskografie, einer Filmografie und einem Register.
Bergreen, ein Harvard-Absolvent, ist kein Jazzhistoriker im engeren Sinne. Er machte sich zuvor als Biografieautor einen Namen, unter anderem mit Büchern über Irving Berlin und Al Capone. Für die Armstrong-Biografie hat er intensiv in Archiven recherchiert, darunter Armstrongs privater Nachlass im Queens College in New York und die Hogan Jazz Archives an der Tulane University in New Orleans. Hinzu kommen zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen.
Bergreen versteht es, Armstrongs Lebensgeschichte lebendig und atmosphärisch dicht zu erzählen. Man bekommt nicht nur die musikalische Entwicklung mit, sondern auch das Milieu – New Orleans um die Jahrhundertwende, das Chicago der Roaring Twenties, die Jazzclubs von Harlem. Manchmal hat man beim Lesen tatsächlich das Gefühl, der Autor hätte neben Armstrong gestanden. Das ist natürlich eine Frage des literarischen Stils, und einzelne Kritiker haben angemerkt, die Darstellung sei stellenweise etwas romanhaft geraten. Ich finde das keinen Nachteil, im Gegenteil: Es macht das Buch auch für Leser zugänglich, die nicht in erster Linie musikwissenschaftliche Analysen suchen.
Laurence Bergreen: Louis Armstrong. Ein extravagantes Leben. Haffmans Verlag, arte edition, 2000. 638 Seiten. Originalausgabe: Broadway Books, New York 1997.

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Die deutsche Ausgabe ist nur noch gebraucht erhältlich, aber es lohnt sich, danach zu suchen. Gute Anlaufstellen sind zB. Amazon oder eBay.

Louis Armstrong – Mein Leben in New Orleans (Autobiografie)
Die beste Ergänzung zur Bergreen-Biografie ist Armstrongs eigene Autobiografie. Wer wissen will, wie Satchmo seine Kindheit und Jugend erlebt hat, findet hier den unmittelbarsten und persönlichsten Zugang.
Das englische Original „Satchmo: My Life in New Orleans“ erschien 1954 bei Prentice-Hall in New York. Es gibt verschiedene deutsche Ausgaben: Mein eigenes Exemplar stammt aus dem Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1967 – also eine Ausgabe aus der damaligen DDR. Es hat 227 Seiten und enthält einige Fotografien, darunter auch Aufnahmen von Armstrongs Besuch in der DDR, was das Buch zusätzlich zu einem interessanten Zeitdokument macht. Später erschien das Buch 1985 auch im Diogenes Verlag in Zürich unter dem Titel „Mein Leben in New Orleans“.
Das Besondere an dieser Autobiografie ist Armstrongs erzählerische Stimme. Er schreibt ungekünstelt, direkt und mit einer Wärme, die sofort einnimmt. Man spürt den Menschen hinter den Worten – einen Mann, der trotz bitterster Armut in seiner Kindheit mit einer bemerkenswerten Lebensfreude auf seine frühen Jahre zurückblickt. Der Sprachstil ist schlicht, manchmal fast naiv, aber gerade das macht den Text authentisch.
Ein wichtiger Hinweis: Das Buch behandelt ausschließlich die frühen Jahre in New Orleans. In dem Moment, als Armstrong die Stadt verließ und seine eigentliche Karriere begann, endet die Erzählung. Die großen musikalischen Erfolge, die Welttourneen, die Zusammenarbeit mit anderen Jazzgrößen – all das kommt nicht vor. Zudem findet sich in der Autobiografie noch das falsche Geburtsdatum. Wie bei Autobiografien üblich, sieht der Erzähler sein eigenes Leben naturgemäß anders als ein Außenstehender – manches wird in der Erinnerung anders gewichtet, als es spätere Biografen auf Grundlage anderer Quellen darstellen. Das mindert den Wert des Buches aber nicht, denn genau darin liegt sein Reiz: Es ist Armstrongs eigene Stimme. Gebraucht ist die DDR-Ausgabe ebenso wie die Diogenes-Ausgabe über die üblichen Plattformen zu finden.
Louis Armstrong: Mein Leben in New Orleans. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1967. 227 Seiten. Ebenfalls erschienen im Diogenes Verlag, Zürich 1985. Originalausgabe: „Satchmo: My Life in New Orleans“, Prentice-Hall, New York 1954.
Auch dieses Buch ist nur noch gebraucht erhältlich: Amazon, Amazon, eBay.

James Lincoln Collier – Louis Armstrong: Eine Biographie
Die dritte Louis Armstrong Biografie in meiner Empfehlung stammt von James Lincoln Collier. Das amerikanische Original „Louis Armstrong: An American Genius“ erschien 1983 bei Oxford University Press. Die deutsche Ausgabe wurde 1990 beim Diogenes Verlag in Zürich veröffentlicht und umfasst 467 Seiten inklusive Quellenapparat und Diskografie.
Collier ist selbst Musiker – er spielt Posaune – und hat sich als Jazzautor einen internationalen Ruf erarbeitet. Neben der Armstrong-Biografie schrieb er unter anderem Bücher über Duke Ellington, Benny Goodman sowie das viel beachtete Werk „The Making of Jazz“. Für das renommierte Grove Dictionary of Music verfasste er ebenfalls Beiträge. Die Washington Post bezeichnete sein Armstrong-Buch als den maßgeblichen Bericht über Armstrongs Leben.
Das Buch ist in einem sachlichen, analytischen Stil geschrieben, der für amerikanische Sachbücher der 1980er Jahre typisch ist. Collier beleuchtet nicht nur Armstrongs musikalische Entwicklung, sondern auch seine persönlichen Schattenseiten: das Bedürfnis nach Anerkennung, seine Eifersucht, seine vier Ehen und die schwierigen Beziehungen zu Musikerkollegen wie Earl Hines und Zutty Singleton. Die angehängte Diskografie ist naturgemäß nicht mehr auf dem aktuellen Stand, war aber zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hilfreich.
Wer die beiden zuvor genannten Bücher gelesen hat, findet in Colliers Biografie eine lohnende Vertiefung mit stärkerem Fokus auf die musikwissenschaftliche Einordnung. Auch dieses Buch ist nur noch gebraucht erhältlich, zB. über eBay, Amazon.

Weitere Louis Armstrong Biografien im Überblick
Der Vollständigkeit halber möchte ich noch zwei weitere deutschsprachige Bücher erwähnen.
Die Monografie von Ilse Storb aus der bekannten Reihe „rowohlts monographien“ (Rowohlt Verlag, 1989, 149 Seiten) war tatsächlich das erste Armstrong-Buch, das ich als Jugendlicher gekauft und gelesen habe. Ich habe es allerdings nicht mehr in meinem Bestand, weil es mich damals schon nicht überzeugt hat. Das Buch ist sehr dünn, liest sich trocken und beschränkt sich auf das Allernotwendigste. Ein erheblicher Teil des ohnehin knappen Umfangs entfällt auf den Quellenapparat. Für ein so reiches und vielschichtiges Leben wie das von Louis Armstrong ist das schlicht zu wenig.
Darüber hinaus erschien 2021 bei Reclam eine neuere Biografie von Wolfram Knauer: „Black and Blue: Louis Armstrong – Sein Leben und seine Musik“ (256 Seiten, erweiterte Neuausgabe, Erstfassung 2010). Knauer ist Direktor des Jazzinstituts Darmstadt und war als erster Nichtamerikaner Inhaber der „Louis Armstrong Professor of Jazz Studies“ an der Columbia University – also zweifellos ein ausgewiesener Fachmann. Die Rezensionen sind durchweg positiv. Das Buch enthält zudem eine umfangreiche Playlist mit Verweisen auf Audio- und Videoaufnahmen. Ich habe es allerdings selbst noch nicht gelesen und kann daher keine persönliche Einschätzung abgeben. Wer eine aktuelle, musikwissenschaftlich fundierte Perspektive auf Armstrong sucht, sollte es sich auf die Leseliste setzen.
Mein Fazit – Welche Louis Armstrong Biografie sollte man lesen?
Wer nur ein Buch lesen möchte, dem empfehle ich ohne Zögern Laurence Bergreens „Ein extravagantes Leben“. Es ist die umfassendste, lebendigste und am besten recherchierte Louis Armstrong Biografie, die mir auf Deutsch bekannt ist.
Als Ergänzung ist Armstrongs Autobiografie „Mein Leben in New Orleans“ ein Muss. Den direkten Blick in Armstrongs eigene Erinnerungen kann keine Fremdbiografie ersetzen, auch wenn das Buch nur die frühen Jahre abdeckt.
Wer danach immer noch nicht genug hat, greift zu Colliers „Louis Armstrong: Eine Biographie“ und bekommt eine solide, analytische Darstellung, die nochmals andere Akzente setzt. Mit diesen drei Büchern ist man als Fan hervorragend aufgestellt. Und das Wichtigste bei einer Louis Armstrong Biografie bleibt am Ende ohnehin die Musik.
Häufig gestellte Fragen zu Louis Armstrong Biografien
Welche Louis Armstrong Biografie ist die beste? Für die meisten Leser ist Laurence Bergreens „Louis Armstrong: Ein extravagantes Leben“ (638 Seiten, Haffmans Verlag, 2000) die beste Wahl. Das Buch ist gründlich recherchiert, packend geschrieben und deckt Armstrongs gesamtes Leben ab.
Hat Louis Armstrong eine Autobiografie geschrieben? Ja, Louis Armstrong verfasste sogar zwei eigene Bücher. Sein bekanntestes ist die Autobiografie „Satchmo: My Life in New Orleans“, die 1954 erschien. Auf Deutsch ist sie unter dem Titel „Mein Leben in New Orleans“ erhältlich. Das Buch behandelt allerdings nur seine Kindheit und Jugend in New Orleans. Bereits 1936 veröffentlichte er zudem „Swing That Music“.
Wann wurde Louis Armstrong wirklich geboren? Louis Armstrong wurde am 4. August 1901 in New Orleans geboren. Er selbst gab jedoch stets den 4. Juli 1900 als Geburtsdatum an. Das tatsächliche Datum wurde erst 1983 durch die Entdeckung seines Taufscheins zweifelsfrei belegt.
Gibt es aktuelle Louis Armstrong Biografien auf Deutsch? Die neueste deutschsprachige Biografie ist „Black and Blue: Louis Armstrong – Sein Leben und seine Musik“ von Wolfram Knauer (Reclam, 2021, 256 Seiten). Sie bietet eine zeitgemäße, musikwissenschaftlich fundierte Perspektive und ist derzeit im Buchhandel erhältlich.
Wo kann man vergriffene Louis Armstrong Biografien kaufen? Die älteren hier vorgestellten Bücher sind nur noch auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich. Gute Anlaufstellen sind Amazon Marketplace, eBay, ZVAB (Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher) und Booklooker.