Keith Richards Autobiografie „Life“

Die Keith Richards Autobiografie „Life“ gilt für viele als eine der besten Rockmusiker-Biografien überhaupt. Ich habe das Heyne-Taschenbuch inzwischen zum zweiten Mal gelesen.

Keith Richards Autobiografie "Life"

Vorderseite

Worum geht’s in der Keith Richards Autobiografie „Life“?

Geschrieben hat Richards das Buch nicht allein, sondern mit Unterstützung des britischen Journalisten James Fox, der Richards seit den frühen 1970er-Jahren persönlich kennt und zuvor mit dem Bestseller „White Mischief“ bekannt wurde. Der Erzählton ist locker und umgangssprachlich, gespickt mit Anekdoten, und folgt nicht immer streng der Chronologie – man liest es streckenweise, als würde Richards einem direkt gegenübersitzen und erzählen.

Inhaltlich beginnt alles in Dartford, Kent: Richards wächst in ärmlichen Nachkriegsverhältnissen auf, seine Liebe zur Musik wird vor allem von seinem Großvater Gus gefördert. Geprägt wird er von Platten von Chuck Berry, Muddy Waters und Howlin‘ Wolf, die er als Jugendlicher rauf und runter hört. Die berühmte Begegnung mit Mick Jagger auf dem Bahnsteig von Dartford – beide mit Bluesplatten unterm Arm – markiert den Beginn einer der einflussreichsten Songwriter-Partnerschaften der Rockgeschichte. Zusammen mit Brian Jones, der die Band ursprünglich gegründet hatte, entstehen daraus die Rolling Stones.

Ein echtes Highlight ist die Anekdote zur Entstehung des Riffs von „Satisfaction“: Richards spielte es nachts halb im Schlaf auf ein Kassettengerät, um am nächsten Morgen nur noch das Riff und minutenlanges Schnarchen auf dem Band vorzufinden. Auch die Redlands-Drogenrazzia von 1967 nimmt breiten Raum ein – der Vorfall, der Richards endgültig zur Symbolfigur des Rock-Rebellen machte. Weitere Stationen: das Steuerexil in Südfrankreich, wo das legendäre Album „Exile on Main St.“ entstand, die turbulente Beziehung zu Anita Pallenberg, der Tod von Brian Jones 1969 sowie später die große Liebe zu seiner heutigen Ehefrau Patti Hansen. Der 32-seitige Bildteil der Taschenbuchausgabe zeigt Fotos aus allen Lebensphasen, von den frühen Bandtagen bis in die Gegenwart.

Meine Eindrücke zur Keith Richards Autobiografie

Ich habe mich beim zweiten Lesen genauso wenig gelangweilt wie beim ersten Mal. Der schnoddrige, oft trockene Humor trägt die Geschichte gut, und gerade die Kapitel zur musikalischen Früherziehung und zur Entstehung der großen Stones-Songs lesen sich richtig spannend.

Richtig deutlich wird beim Lesen, wie unterschiedlich Richards über seine Weggefährten schreibt. Schlagzeuger Charlie Watts kommt durchweg gut weg – über fast jeden anderen lässt er dagegen kaum ein gutes Haar. Über Bassist Bill Wyman, der immerhin 31 Jahre lang Mitglied der Band war, schreibt Richards zum Beispiel recht unverblümt, dass einer der Hauptgründe für dessen Aufnahme 1962 schlicht sein hochwertiger Verstärker gewesen sei – ein Vox AC30, den sich der Rest der Band damals nicht hätte leisten können. Auch über Brian Jones, der die Band ursprünglich gegründet hatte und später aus ihr gedrängt wurde, fällt das Urteil im Buch alles andere als milde aus. Über Mick Jagger beschwert sich Richards ebenfalls immer wieder und nennt ihn streckenweise einen Kontrollfreak. Meiner Meinung nach war es aber gerade Jaggers Organisationstalent, das die Rolling Stones über Jahrzehnte zusammengehalten hat.

Mein Eindruck beim Lesen: Richards hält sich in vielen Bereichen für den Besten – ob als Musiker, als Kenner der Musikszene oder in anderen Lebensbereichen. Das prägt den Ton des Buches an nicht wenigen Stellen.

Fazit

Die Keith Richards Autobiografie „Life“ ist packend geschrieben, liefert jede Menge Hintergrund zur Rockgeschichte und ein umfangreiches, interessantes Bildmaterial. Anders als manche Kritiker empfinde ich den Umfang übrigens nicht als zu lang – im Gegenteil, die Geschichte trägt die Länge gut. Nebenbei bemerkt: Sympathisch ist mir Keith Richards als Person beim Lesen nicht geworden, aber das schmälert die Qualität dieser Biografie keineswegs – uneingeschränkte Leseempfehlung für alle Rockfans.

Hinweis: Keith Richards‘ Autobiografie „Life“ ist bei Heyne als Taschenbuch erschienen (736 Seiten, 32 Seiten Bildteil, ISBN 978-3-453-64059-7). Co-Autor ist der britische Journalist James Fox.

Keith Richards Autobiografie - Rückseite

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